Aktuelle Anfragen und Anträge
Grüne Stahlstadt Duisburg: Klima- und Ressourcenschutz bei städtischen Vergabeverfahren
Antrag der Fraktion Die Linke an den Rat der Stadt Duisburg am 4. Mai 2026
Beschlussvorschlag:
Der Rat der Stadt Duisburg beauftragt die Verwaltung, bei künftigen Vergaben von öffentlichen Aufträgen und Konzessionen das Kriterium der Klimafreundlichkeit zu priorisieren. Dies beinhaltet:
1. Priorisierung von Klimafreundlichkeit in Vergabeverfahren
Die Beförderung von Lösungen, die zum geringsten CO2-Ausstoß führen durch
• Berücksichtigung des (fiktiven) CO2-Schattenpreises bei Wirtschaftlichkeitsberechnungen.
• Berücksichtigung von Recyclinganteilen bei der Materialwahl.
• Einpreisung des CO2-Fußabdrucks entlang der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette.
2. Förderung klimafreundlicher Baustoffe
Die Stadt Duisburg bekennt sich zur Nachfrage nach klimafreundlichen Baustoffen und Bauprodukten – insbesondere „grünem Stahl“ und „grünem Beton“ – im Rahmen der kommunalen Beschaffung. Dies stärkt die regionale Wertschöpfung und unterstützt die Transformation der heimischen Industrie.
3. Berichtspflichten
Die Verwaltung wird beauftragt, dem Rat der Stadt Duisburg jährlich über die Umsetzung dieses Beschlusses, die erzielten Fortschritte und die erreichten CO₂-Einsparungen zu berichten. Der erste Bericht ist bis zum 31.12.2027 vorzulegen.
Begründung
Umweltbelastungen verursachen immense Kosten für die Gesellschaft. Laut Klimarisikoindex des Institut der Deutschen Wirtschaft vom Januar 2026 ist Duisburg landesweit am Stärksten von Folgen der Klimakrise bedroht: Neben Starkregenfällen, Stürmen und Überflutungen ist mit Wasserknappheit und extremer Hitze zu rechnen. Daher ist es unabdingbar, Klimaschutz systematisch in die städtische Vergabepraxis zu integrieren.
Duisburg ist nicht nur besonders von der Klimakrise betroffen, sondern trägt als wichtigster Industriestandort für Stahl in Deutschland besondere Verantwortung. Die Transformation der Stahlproduktion hin zu klimaneutralen Verfahren – insbesondere durch den Einsatz von wassserstoffgestützten Hochöfen – ist nicht nur ein zentraler Hebel für die Erreichung von Klimazielen, sondern auch eine enorme Chance für die heimische Wirtschaft.
Duisburg ist daher gefordert, einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Umsetzung der nationalen Wasserstoffstrategie leisten und damit den Hochlauf dieser Schlüsseltechnologie unterstützen. Hierbei lassen sich Klimaschutz und Förderung der heimischen Stahlindustrie durch die Novellierung städtischer Vergabeverfahren miteinander verbinden.
Vergaberechtlich ist die Stadt Duisburg bereits jetzt verpflichtet, umweltbezogene Aspekte in Vergabeverfahren zu berücksichtigen (§ 97 GWB). Dies ist nicht nur ökologisch geboten, sondern auch rechtlich möglich und wirtschaftlich sinnvoll.
Die Berücksichtigung dieser Kriterien hat zur Folge, dass emissionsärmere und klimafreundlichere Alternativen Vorrang erhalten, da Baumaßnahmen mit einem höheren Anteil treibhausgasintensiver Baustoffe oder Energieversorgungslösungen mit einem hohen Anteil fossiler Energieträger rechnerisch teurer werden. Aktive und nachhaltige Umweltpolitik senkt die ökonomischen und ökologischen Kosten für alle. Gleichzeitig setzt sie ein klares Signal für die industrielle Transformation der lokalen Stahlindustrie.
Gezeichnet
Barbara Laakmann
