Unsere Vielfalt macht uns stark
Unter dem Motto DUISBUNT – Stadt der Vielfalt?! versammelten sich auch dieses Jahr wieder Hunderte Menschen zum Christopher Street Day und der zugehörigen Demonstration in Duisburg.
Beinahe sechzig Jahre liegen die Stonewall-Unruhen, die oftmals als Beginn der globalen queeren Bewegung gelten, bereits zurück. Seit etwas weniger als 50 Jahren wird der CSD auch in Deutschland begangen.
Das diesjährige Motto lädt zum Nachdenken ein. Wenngleich sich queere Menschen in den letzten Jahren diverse Rechte erkämpfen konnten, bleiben ihre Forderungen aus Sicht diverser Politiker*innen Verhandlungssache. Eine Regenbogenflagge zu hissen war für die aktuelle Bundestagspräsidentin schließlich keine Frage der Solidarität oder des Ausdrucks der besonderen Bedeutung des zweiten Artikels unseres Grundgesetzes, sondern ein angeblicher Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.
Auch in Duisburg werden Jahr um Jahr Versprechungen für reale Verbesserungen im Leben queerer Menschen gemacht. Priorität erhalten Projekte wie beispielsweise das von uns geforderte queere Zentrum allerdings weder in den Sitzungen noch im Haushaltsplan, geschweige denn in tatsächlichen politischen Maßnahmen. So setzt z.B. der sogenannte Aktionsplan Queer 25 Ziele, benennt aber keine konkreten Maßnahmen zur Erreichung dieser.
Linken-Ratsfrau und Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses der Stadt Duisburg Pia Waschko findet dazu auf dem Podium des CSDs klare Worte: „Belange der Gleichstellung, zu denen auch queere Themen gehören, müssen in Duisburg einen viel größeren Stellenwert einnehmen. Gleichstellung ist ein Querschnittsthema und stärkt unsere Demokratie, weil sie die freie Entfaltung aller ermöglicht. Es ist höchste Zeit, dass die Stadt Duisburg hier handelt und die queere Community aktiv unterstützt – allen voran mit einem queeren Zentrum, wie es Mülheim bereits hat. Eine Regenbogenflagge zu hissen kostet so gut wie kein Geld – bleibt aber ein Lippenbekenntnis, wenn darauf keine expliziten Entscheidungen folgen.“
Wie wichtig es ist, mehr als nur Lippenbekenntnisse für die Rechte und den Schutz queeren Lebens abzugeben, zeigen die Geschehnisse beim zeitgleich stattfindenden CSD in Berlin. In Zeiten zunehmender politischer Radikalisierung, insbesondere in Bezug auf Nationalismus, Totalitarismus, Rechtsextremismus und religiösen Ideologien, liegt es an uns als solidarische Gesellschaft, allen voran aber an den politischen Entscheidungsträger*innen, marginalisierte Gruppen zu schützen – und dabei nicht außer Acht zu lassen, dass es sich bei queeren Menschen keinesfalls um eine homogene Gruppe handelt. Queeres Leben jedes Alters, jeder Herkunft und jeder Religion gilt geschützt.
Wir bedanken uns herzlichst beim Verein DUPride – Verein Duisburger queerer Menschen für die Organisation des CSD und der Mahnwache.
Unsere Gedanken sind bei den Opfern, Angehörigen und Ersthelfer*innen in Berlin sowie allen, die vor Ort oder gar von weiter weg um ihre Liebsten bangen mussten. Für sie alle möchten wir laut sein – für eine Zukunft ohne schmerzliche Schlagzeilen.
