Maßnahmen zur Vermeidung und Beendigung von Wohnungslosigkeit in Duisburg
Rede von Zozan Gül, Ratsmitglied Die Linke auf der Ratssitzung am 2.Juli 2026
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, meine Damen und Herren,
die vorliegende Mitteilung(DS 26-0660) beschreibt zahlreiche Maßnahmen gegen Wohnungslosigkeit. Das ist wichtig. Aber sie zeigt zugleich ein bedrückendes Bild: Immer mehr Menschen verlieren ihre Wohnung, die Zahl der Zwangsräumungen steigt und immer mehr Menschen landen in ordnungsrechtlicher Unterbringung. Das ist kein Erfolg – das ist ein deutliches Warnsignal.
Zunächst gilt unser Dank den Beschäftigten der Fachstelle für Wohnungsnotfälle, den sozialen Trägern und den vielen Ehrenamtlichen. Sie leisten jeden Tag hervorragende Arbeit. Das Problem ist nicht ihr Engagement – das Problem sind die politischen Rahmenbedingungen.
Denn diese Vorlage verschweigt, dass die Stadt selbst an vielen Stellen Wohnungslosigkeit mit produziert. 113 Menschen müssen nach Maßnahmen der Taskforce Problemimmobilien oder der Bauordnung ordnungsrechtlich untergebracht werden. Selbstverständlich müssen gesundheitsgefährdende und menschenunwürdige Wohnungen geschlossen werden. Aber es reicht nicht, Menschen aus ihren Wohnungen zu holen, wenn ihnen anschließend keine echte Perspektive geboten wird. Wer Menschen aus ihrem Zuhause verdrängt, trägt auch Verantwortung dafür, ihnen menschenwürdigen Wohnraum bereitzustellen.
Hinzu kommt aus unserer Sicht ein weiteres Problem: Immer wieder berichten Betroffene von langen Bearbeitungszeiten beim Jobcenter, verspäteten Mietzahlungen oder existenzbedrohenden Verzögerungen bei Leistungen. Wenn dadurch Mietschulden entstehen und Wohnungen verloren gehen, dann ist das kein individuelles Versagen der Betroffenen, sondern Ausdruck eines Systems, das Menschen im entscheidenden Moment nicht schützt.
Besonders irritierend ist die Formulierung, man wolle künftig eine „bedarfsgerechte Versorgung“ in Sammel- und Notunterkünften sicherstellen. Für uns ist das der falsche Ansatz. Kein Mensch hat einen Bedarf an einer Sammelunterkunft. Menschen haben einen Bedarf an einer eigenen Wohnung.
Sammelunterkünfte bedeuten fehlende Privatsphäre, fehlende Selbstbestimmung und häufig jahrelange Unsicherheit. Wer sie zur Lösung erklärt, verwaltet Wohnungslosigkeit, anstatt sie zu beenden. Wohin ist ein Menschenrecht – und Menschenrechte erfüllt man nicht mit Massenunterkünften.
Die Verwaltung schreibt selbst, dass Wohnungslosigkeit vor allem durch Armut, prekäre Beschäftigung, gesundheitliche Belastungen und fehlenden Wohnraum entsteht. Genau deshalb muss die Antwort politisch sein: mehr kommunaler und sozialer Wohnungsbau, konsequenter Schutz vor Zwangsräumungen, eine funktionierende Sozialverwaltung und Behörden, die Menschen unterstützen, statt sie durch Bürokratie zusätzlich in Not zu bringen.
Als Linke sagen wir klar: Eine Stadt wird nicht daran gemessen, wie viele Notunterkünfte sie verwaltet. Sie wird daran gemessen, ob sie dafür sorgt, dass Menschen gar nicht erst ihre Wohnung verlieren. Daran müssen wir uns messen lassen – und daran muss sich auch diese Verwaltung messen lassen.
Vielen Dank.
