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Anfragen/Anträge in den Ratsgremien

Einrichtung eines „Runden Tisches reproduktive Gesundheit und Selbstbestimmung" zur Sicherstellung der Versorgung in Duisburg

Antrag der Fraktion Die Linke an den Rat der Stadt Duisburg am 28.09.2026

Der Rat der Stadt Duisburg möge beschließen:

  1. Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahmen bestehender Zuständigkeiten einen „Runden Tisch reproduktive Gesundheit und Selbstbestimmung" einzurichten und zu koordinieren.
  2. An diesem Runden Tisch sollen Vertreter:innen der in Duisburg tätigen Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen (u. a. pro familia, Caritas, Diakonie, Evangelische Beratungsstelle), der Kliniken mit gynäkologischer Versorgung, niedergelassener Ärzt:innen sowie des Gesundheitsamtes und des Gleichstellungsreferats teilnehmen.
  3. Ziel des Runden Tisches ist es, die Versorgungslage mit Schwangerschaftsabbrüchen und reproduktiver Gesundheitsversorgung in Duisburg regelmäßig zu erfassen, mögliche Versorgungslücken frühzeitig zu identifizieren und der Verwaltung sowie dem Rat Handlungsempfehlungen vorzulegen.
  4. Die Verwaltung berichtet sowohl dem Gleichstellungsausschuss als auch dem Rat der Stadt erstmals bis zum Ende des ersten Quartals 2027 über die Einrichtung und erste Ergebnisse. 

Begründung:

Am 28. September wird international der Safe Abortion Day begangen – ein Tag, der auf den weltweit ungleichen Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen aufmerksam macht und an das Recht auf selbstbestimmte reproduktive Entscheidungen erinnert.

Auch in Deutschland und in Duisburg ist die Versorgung mit Schwangerschaftsabbrüchen keine Selbstverständlichkeit. Bundesweite Untersuchungen, u. a. im Rahmen des Forschungsprojekts ELSA, zeigen, dass insbesondere in strukturschwächeren Regionen die Zahl der durchführenden Ärzt:innen und Einrichtungen rückläufig ist und Betroffene teils erhebliche Wege oder Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, um die gesetzlich vorgesehene Beratung und einen Abbruch nach § 218a Abs. 1 StGB wahrzunehmen.

Andere Kommunen haben auf diese Entwicklung bereits reagiert: München hat 2025 einen "Runden Tisch für die Versorgung mit Schwangerschaftsabbrüchen" beschlossen, der Kliniken, Beratungsstellen und Ärzt:innenschaft zusammenbringt, um die Versorgungssituation kontinuierlich zu beobachten und frühzeitig auf Engpässe reagieren zu können.

Für Duisburg ist derzeit keine vergleichbare koordinierende Struktur erkennbar. Die bestehenden Beratungsstellen und medizinischen Anbieter:innen arbeiten parallel, ohne dass ein regelmäßiger Austausch über die gemeinsame Versorgungslage stattfindet. Ein Runder Tisch würde diese Lücke schließen, ohne dass dafür neue Institutionen oder zusätzliche städtische Angebote geschaffen werden müssten – die Koordinierung erfolgt im Rahmen der ohnehin bestehenden Zuständigkeiten von Gesundheitsamt und Gleichstellungsreferat.

Der vorliegende Antrag wird direkt im Rat eingebracht und nicht zunächst dem Gleichstellungsausschuss zur alleinigen Vorberatung zugewiesen, da es sich bei der Versorgung mit Schwangerschaftsabbrüchen um ein Querschnittsthema handelt, das über den originären Zuständigkeitsbereich der Gleichstellungspolitik hinausreicht: 

  • Gesundheitsfürsorge: Die medizinische Versorgungssicherheit betrifft unmittelbar die kommunale Gesundheitsinfrastruktur und die Aufgaben des Gesundheitsamtes.
  • Soziale Absicherung: Der Zugang zu Schwangerschaftskonfliktberatung und -abbruch ist eng verknüpft mit sozialer Teilhabe, insbesondere für Frauen in prekären Lebenslagen, die sich lange Wege oder private Versorgungsalternativen nicht leisten können.
  • Kommunale Infrastruktur: Die Frage, ob und wo entsprechende medizinische Angebote in Duisburg vorgehalten werden, berührt die Planung und den Erhalt kommunaler bzw. kommunal mitgetragener Versorgungseinrichtungen.
  • Gleichstellung: Reproduktive Selbstbestimmung bleibt zugleich ein zentrales gleichstellungspolitisches Anliegen, weshalb der Gleichstellungsausschuss im Rahmen der Berichterstattung eng eingebunden bleibt.

Angesichts dieser Querschnittsdimension ist eine Einbringung direkt im Rat sachgerecht, um dem Thema die notwendige gesamtstädtische Aufmerksamkeit über die Zuständigkeit eines einzelnen Fachausschusses hinaus zu verschaffen. Die Einrichtung eines Runden Tisches zum Safe Abortion Day sendet zudem ein deutliches Signal: Duisburg schützt die reproduktive Selbstbestimmung seiner Bürgerinnen und handelt vorausschauend, statt erst auf akute Versorgungsengpässe zu reagieren.

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