Nicht zufrieden. Nicht gleichgestellt. Nicht still.

Désirée Scholz

Auch mehr als 100 Jahre nach der Etablierung des Frauen*- bzw. feministischen Kampftages dürften Frauen, queere und intersexuelle Menschen des Kämpfens noch nicht müde geworden sein. Weltweit werden ihre Rechte auf ein autonomes, selbstbestimmtes und würdevolles Leben beschnitten oder zumindest in Frage gestellt – sofern sie überhaupt jemals als solche anerkannt wurden.

In Deutschland gelten Gleichstellung, politische und soziale Teilhabe von Frauen, queeren und intersexuellen Menschen als Kampfbegriffe einer feministischen Bewegung, die ihrer angeblich überhöhten Ansprüche wegen nie zufrieden gestellt werden könne. Mit einem abfälligen Wink in Richtung des Grundgesetzes und auf die sozioökonomischen Veränderungen der letzten Jahre werden Debatten beendet, die strukturelle Probleme nicht berücksichtigen oder sogar mutwillig ignorieren.

Dabei ist das Ergebnis all dieser Widrigkeiten auf dem Weg zu realer Gleichstellung in Duisburg deutlich sichtbar: Eine weitere Wahlperiode lang sind Frauen* im Rat der Stadt Duisburg deutlich unterrepräsentiert. Ein weiteres Jahr in Folge sind deutlich weniger Frauen* als Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wieder einmal wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch die unzureichend hohe Anzahl an Betreuungsplätzen eingeschränkt. Und erneut werden die bestehenden Plätze in Frauen*häusern dem Bedarf der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen* in Duisburg nicht gerecht werden – insbesondere dem von Frauen* mit Behinderung, die überproportional häufig Opfer von Gewalt werden, denen aber bis mindestens 2027 kein einziges barrierefreies Frauen*haus zur Verfügung stehen wird.

Für uns als Die Linke gilt es deshalb dieses Jahr mehr denn je, mit Traditionen zu brechen. Wir möchten uns von den gängigen Floskeln, die Jahr um Jahr am feministischen Kampftag geäußert werden, deutlich distanzieren. Wir wollen nicht Danke sagen für unbezahlte Sorge- und Pflegearbeit. Wir wollen keinen nichtssagenden Applaus für Arbeitszeit, die man nur deshalb schlechter entlohnt, weil sie in Berufsfeldern verrichtet wird, die typischerweise Frauen* zugeordnet werden. Wir wollen nicht nur bedächtig nicken, wenn aus der nächsten Kriminalstatistik wieder einmal hervorgehen wird, dass innerfamiliäre und Partnerschaftsgewalt allgegenwärtig sind und die hohe Diskrepanz zwischen Bedarf an und Verfügbarkeit von Unterstützungsangeboten unbestreitbar bleibt. 

Stattdessen möchten wir den feministischen Kampftag dieses Jahr für das nutzen, für das er einst etabliert wurde: für einen Aufruf, für die Rechte aller aktiv zu werden. Wahre Gleichstellung und Teilhabe für Frauen* kann es nur in einer Gesellschaft geben, die Demokratie lebt, statt nur in einer Demokratie zu leben. Heute mehr denn je braucht es lautes, öffentliches Engagement für wahre Veränderung – eine Veränderung für alle Frauen*, aber auch für die Duisburger*innen im Allgemeinen. Wir wollen mit euch kämpfen – für eine Welt, in der Unterdrückung ein Fremdwort und Gleichstellung, Parität und Teilhabe Selbstverständlichkeiten sind.